• Johannes Strohm

Na Batzi – bist' schwul, oder wos?

Eigentlich hatte ich aufgrund der laufenden Prüfungen nicht vor diese Woche einen Blogbeitrag zu schreiben, aber es kommt ja immer alles anders als man plant.


Zum Hintergrund:

Wenn man den ganzen Tag auf die Klausuren lernt, braucht man auch etwas frische Luft zwischendurch, um das Hirn etwas durchzulüften und Sauerstoff zu tanken. Das geht, wie wir seit Beginn der Pandemie wissen, am besten bei einem Spaziergang.


Grundsätzlich ja nichts Besonderes, doch heute ist mir dabei etwas zum ersten Mal in Rosenheim passiert, was ich generell schon mehrere Jahre nicht mehr erlebt hab.

Ich lief in sehr unauffälliger Klamotte in etwas schnellem (für mich normalen) Schritt an einer Gruppe von Mittvierzigern auf und um eine Parkbank vorbei und dann das.

Als ich schon knapp 5m vorbeigelaufen war wurde mir mehr oder weniger dumm hinterhergerufen: „Na Batzi – bist' schwul, oder wos ?“


Hört euch das Ganze im Kopf nochmal an und stellt euch dabei eine tiefe weibliche bayrische Stimme vor, die im Lall-O-Meter irgendwo zwischen 3-4 Bier steht und einen leicht provozierenden Unterton mitschwingen lässt.


Ich war perplex, lief ganz normal weiter und wusste kurz nicht, wie ich reagieren sollte. Was zum Teufel ist ein „Batzi“? (Ich bin der bayrischen Sprache nicht wirklich kundig) Woher schließen die, dass ich Schwul sein könnte? Hat sie mich jetzt gerade beleidigt? War das jetzt homophob? Kann man die überhaupt ernst nehmen? Sollte ich mich umdrehen und stolz sagen „Ja, bin ich!“? Und warum passiert so etwas heutzutage überhaupt noch? Meine „kleine heile Welt“-Bubble war geplatzt.


Das Hinterhergerufe stört mich gar nicht. Sollen sie doch tun, was sie nicht lassen können solange niemand dabei zu Schaden kommt. Was mich jedoch dabei stört ist die offensichtliche Tatsache, dass „schwul sein“ im Unterton immer noch als Schimpfwort verankert ist und come-on, das ist ja sowas von neunzehnhundertschießmichtot. Leider ist diese „Bedeutung“ von schwul immer noch sehr gut in der Gesellschaft gut verankert – und zwar im heiligen Duden. An dritter Stelle definiert der Duden die Bedeutung des Wortes „schwul“ als


„ in Verdruss, Ärger, Ablehnung hervorrufender Weise schlecht, unattraktiv, uninteressant Gebrauch - Jugendsprache diskriminierend veraltend Grammatik - meist in Verbindung mit einem intensivierenden Adverb BEISPIEL: die Klassenfahrt war voll schwul“

Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/schwul, Aufruf 12.07.2022 19:15Uhr


Immerhin findet sich darunter noch der Hinweis, dass die Verwendung des Adjektivs „schwul“ in diesem Sinne als diskriminierend gilt und deshalb vermieden werden sollte.


Können wir nicht einfach diese Bedeutung streichen/vergessen/aus den Köpfen der Menschheit löschen?



 

Ich habe ja schon erwähnt, dass ich mich mitten zwischen den Klausuren befinde. Dennoch lasse ich es mir nicht nehmen am kommenden Samstag nach München auf die Pride zu fahren und mit Sichtbarkeit dafür zu kämpfen, dass diese Gendanken bald aus den Köpfen der Menschen verschwinden! Jetzt erst recht.

Leider werde ich aufgrund der aktuellen Situation doch nicht mit Merch wie Sticker und Postkarten von EINHORST vertreten sein können, aber alles hat seine Zeit und seinen Ort. Jetzt sind wir erst mal sichtbar, sodass uns die mittvierzig leicht lallend Bayern hinterherrufen „Na Batzi, happy pride!“


Wir hören uns in zwei Wochen, wenn die Prüfungsphase vorbei ist, 😉


Cheers, euer Batzi [1]



 

Batzi hat übrigens zwei verschiedene Bedeutungen:

[1] bairisch-österreichisch, salopp: pfiffiger, durchtriebener Bursche [2] abwertend: Bayer

Quelle: https://de.wiktionary.org/wiki/Bazi, Aufruf: 12.07.2022 19:15 Uhr


Danke, ich nehme die erste Definition und fühle mich geehrt! Die zweite trifft ja von vorne bis hinten nicht auf mich zu.

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